Erster Delfin

Datum: 19. Oktober 2017
Position: 50° 26,7’ N, 000° 07,2’ W
Etmal: 168 NM
Wetter: Wasser 16°C, Luft 16°C, Wind 6 Oft.
von Janis

Moin! Gestern Nachmittag hieß es an Deck, dass ein Delfin um unser Schiff schwimmen würde. Alle sprangen selbstverständlich auf und ließen alles stehen und liegen. Als erstes überlegten wir, ob es nicht doch ein Schweinswal war, doch Fotos und Videos haben danach bewiesen, dass es doch ein junger Delfin war. Im Moment befinden wir uns in der Straße von Dover (Ärmelkanal), die ein Verkehrstrennungsgebiet (eine Autobahn für Schiffe) ist. Da für die Biskaya ein Sturm mit 9 bis 10 Windstärken vorhergesagt worden ist, legen wir uns und der Roald zuliebe heute Nacht in einem Hafen in Nordfrankreich an, um dort den Sturm abzuwarten.

Mein heutiger Donnerstag fing damit an, dass ich nicht geweckt worden bin und der liebe Arthur mich dann mal wieder wecken musste. Nach einem schnellen Frühstück mussten wir dann zu unserer Wache, welche von 8 Uhr bis 12 Uhr ging. Laurine und KP haben erst einmal das Vorstengestagsegel genäht, das am Dienstag im Sturm gerissen war. Der Rest hat sich mit dem Ausguck- und dem Rudergehen abgewechselt. Außerdem mussten wir mehrere Segel setzen und bergen – wegen des drehenden Windes. Nach unserer Wache gab es dann mal wieder ein sehr leckeres Mittagessen.

Im Moment haben wir wieder bis zu 7 Windstärken, doch die Wellen sind diesmal nicht so hoch, da wir uns in Küstennähe befinden. Da fast alle, die gerade keine Wache haben, am Schlafen sind, und ich fast der einzige bin, der gerade wach ist, kommt man mit den anderen, die wach sind, auf erfinderische Ideen, z.B. spielen wir mit einem Topfuntersetzer in der Messe Frisbee oder malen uns auf die Magnettafel eine Zielscheibe, auf die wir dann Magnete werfen. Wie man hört haben wir hier alle viel Spaß!
Janis

P.S.:
1. Verena gratuliert Kai mit 17 Worten zum 50. Geburtstag.
2. Paul grüßt seine Familie.
3. Tamina grüßt ihre Familie und Katzen.
4. Annika grüßt Familie und Freunde in Kiel, Rostock, Berlin und Hamburg. Liebe Merle, dein Bild
hängt über meiner Hängematte und der Maulwurf (er braucht noch einen Namen!) fliegt im Schlaf
über mir
5. A. und L. senden seemännische Grüße an Cyrill, Katha, Ella und Ketel – ihr fehlt!
6. Ich grüße meine Eltern und meine Familie. (Nico)
7. Trixi grüßt die Montags-Yogis. Immer fleißig üben!! Ich kontrolliere….

Der Tag danach

Datum: 18. Oktober 2017
Position: 52° 42,7’ N, 003° 05,4’ E
Etmal: 129 NM
Wetter: Wasser 16°C, Luft 16°C, Wind 4 Oft.
von Isabelle

Nachdem ich die ganze Nacht bzw. sogar seit 14 Uhr in meiner Koje lag, beschloss ich dann um 7:30 Uhr (Bordzeit) mal wieder etwas zu mir zu nehmen. Wie Laurine im letzten Bericht beschrieben hatte, bin ich einer der Menschen, denen es eher nicht so gut ging und die ihren Mageninhalt nicht bei sich behalten haben. Zu meiner Freude habe ich bemerkt, dass sich die Wetterlage über Nacht sehr verbessert hat und die Wellen angenehm klein waren. Die Nachtwachen waren wohl trotzdem noch eher schwach besetzt, da die meisten sich noch nicht so wirklich aus den Kojen getraut haben. Das Ding ist nämlich, wenn man seekrank ist, dass es einem oben an Deck und in der Koje relativ o.k. geht – der Weg dazwischen allerdings ist der reine Horror. Man bleibt also entweder oben (an der frischen Luft) oder in seiner Koje. Ich hatte mich in der Nacht (während meiner 0-4-Wache) für letzteres entschieden.

Morgens war der Wach- bzw. Bordbetrieb wieder relativ normal. Es ging allen wieder gut, und es gab auch wieder eine normale Backschaft. Nach meinem Frühstück bin ich dann wieder in meine Koje gegangen, da irgendwie alle beschäftigt waren, und ich das Risiko der Seekrankheit nicht noch einmal eingehen wollte. Um 10:00 Uhr bin ich dann mal nach oben an Deck gegangen. Auf dem Weg dorthin und oben traf man dann nach und nach alle, die in den 24 Stunden zuvor eher wie Geister ausgesehen hatten und nun wieder zu Leben erwacht waren. Generell ist die Stimmung ein bisschen wie nach einer langen Feiernacht, in der alle ein wenig zu tief ins Glas geschaut haben.

Für die, die ihre vom Salzwasser und anderen Dingen verdreckten Haare sauber machen wollten, war das erst einmal noch nicht möglich. Die Duschen, der Großteil der Gänge und sogar ein paar Kammern waren nämlich vom Vortag – sagen wir mal – noch nicht wieder ganz sauber (nicht zu vergessen der tolle Duft…). Dazu kommt noch, dass wir insgesamt zu viel Wasser verbraucht haben, und auch die ersten Ermahnungen diesbezüglich nichts gebracht haben. So wurde nun heute ein Wasserkomitee ins Leben gerufen. Um dessen Aufgabe zu erklären, zitiere ich mal die Tafel, die hier vor mir hängt: „Bevor wir ein seeehr ernstes Problem bekommen, müssen wir etwas ändern! Ein Wasserkomitee aus je einem(r) Schüler(in) sucht Lösungen (z.B. Duschplan).“ Trinkwasser ist eben auf See ein knappes Gut, und wir müssen lernen, damit zu haushalten. Wir brauchen uns also nun nicht mehr jeden Tag zu duschen.

Den Tag über genossen alle die kleinen Wellen, nähten ein Segel und kamen langsam wieder zu Kräften. Beim Mittagessen gab es Cordon Bleu oder Schnitzel zur Wahl. Meine 0-4 Wache war dann wieder ganz normal. Wir sind den Großteil des Tages mit Maschine und ein paar Segeln gefahren, unter Seeleuten nennt man das wohl „dänisches Segeln“. Der Kapitän hat uns dann beim All-Hands um 15:30 Uhr erzählt, wo wir sind und was der Plan für die nächsten Tage bis zum Ärmelkanal ist. Die englische Flagge ist gehisst, da wir uns in englischen Hoheitsgewässern befinden.

Da nach dieser stürmischen Nacht so ungefähr alles auf dem Boden unserer Kammern lag, musste man dann erst einmal die Schuhe und Taschen auseinanderklamüsern und wieder in die Schränke verstauen, weil unsere Kammern heute mal wieder auf „Seefestigkeit“ kontrolliert wurden. Also man merkt, dass es heute den ganzen Tag noch viel um die letzte Nacht ging. Wir sind uns alle einig, dass wir gar keine Lust auf noch so einen „Sturm“ haben. Während solchen Zeiten kriegt man echt Lust auf sein schönes, festes, nicht schwankendes Bett zu Hause.
Isabelle

PS.
1. Hallo Mama, Papa, Felix, mir geht“s gut, ich lebe noch und hatte noch kein Fieber! Unsere Befürchtungen für den ersten Teil der Reise sind wahrgeworden, die Tabletten bleiben nicht drin… Hoffe es bleibt jetzt erstmal ruhiger. Viel Spaß in Frankreich, Mama! Eure Isabelle
2. Andy grüßt die zwei besten Schwestern der Welt.
3. Kjell grüßt seine Familie und alle die, die ihn unterstützt haben.
4. Ganz feste Umarmungen für die Beerenbande und Beesens!!! (Katharina)
5. Hallo Liebling, schlaf schlöf und träum was Schönes und guten Morgen und hab einen schönen Tag – Krull vermisst Lysette und die Zwillinge – jtl